Aufsteiger, Weltmeister

Liebe Leser,

vor etwa anderthalb Jahren habe ich begonnen, an dieser Stelle über den großen 1. FC Köln zu schreiben. Nach meiner Zeit als FC-Berichterstatter für den Kölner Stadt-Anzeiger war dieser halb-private Ort ein schönes Abklingbecken, um meinen Weg vom Fan zum Berichterstatter und zurück zum Fan abzuschließen. Das ist nun geschehen: Erst stieg der 1. FC Köln in die Erste Liga auf (und hat dort sogar am ersten Spieltag einen ersten Punkt geholt, wie ich an meinem Sommerdomizil am Weissensee am Fernseher erleben durfte). Dann bin ich mit meinem Freund Peter, der in diesem Blog an vielen Stellen aufgetaucht ist, spontan zum WM-Finale nach Rio geflogen, um in Maracana den deutschen Titelgewinn zu erleben. Im Trikot (aus Gründen der nationalen Sicherheit: Hinflug und Spiel Hummels, nach dem Spiel und Rückflug Podolski), völlig privat, mit bezahlten Eintrittskarten, ohne Laptop und ohne den ständigen Gedanken im Hinterkopf, aus dem Erlebten eine Geschichte für die Zeitung abliefern zu müssen. Ich habe als Reporter aus nächster Nähe gesehen, wie Deutschland das WM-Halbfinale 2006 verlor; die Finalpleite von Wien 2008 und saß im Stadion von Durban, als Deutschland das Halbfinale der WM 2010 gegen Spanien verlor. Jetzt war ich bei einem gigantischen Sieg dabei, was klar besser war. Und wer sich in etwa vorstellen kann, was mir der Fußball bedeutet, der weiß in etwa, wie sehr ich mich darüber gefreut habe. Wenn ich ehrlich bin, freue ich mich immer noch. Und immer wieder.

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Deutschland ist Weltmeister, und wir waren dabei.

Über den Aufstieg des mächtigen 1. FC Köln freue ich mich ebenfalls noch immer. Ich werde auch in dieser Saison mit meinem Freund Pimkie, seinen Brüdern und dem Vater Von Pimkies Brüdern in Block O15 die Spiele des FC verfolgen – von unseren Dauerkartenplätzen aus, die zwar immer teurer, aber auch immer wertvoller werden. Wir freuen uns sehr und planen sogar ein paar Auswärtsfahrten, weil der Pimkie zu der Ansicht gelangt ist, dass es nicht an ihm lag, dass er seit vielen, vielen Jahren keinen FC-Sieg mehr im fremden Stadion gesehen hat. Sondern am FC. Oder am Gegner. Oder so. Wir freuen uns jedenfalls sehr auf die neue Saison und werden hoffentlich wieder viele fröhliche, schräge und vielleicht ab und an auch ein paar eher ärgerliche Momente erleben. Allerdings werden wir unsere Erlebnisse künftig (im Rahmen unserer Möglichkeiten) für uns behalten. Und allenfalls in unserem Whatsapp-Chat „Fußball und Weltpolitik“ fortführen. Oder im neu eingeführten „FC-Sondertschätt“, der den „WM-Sondertschätt“ abgelöst hat, in dem es in den Tagen der Weltmeisterschaft recht heiß hergegangen ist.

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Auf diesem Bild ist unter anderem Angela Merkel versteckt.

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Und ja: Es gibt Flugzeuge, in denen viele Passagiere DFB-Trikots tragen. Zum Beispiel am 14. Juli 2014 auf der Strecke Rio – Frankfurt.

Daher verabschiede ich mich an dieser Stelle von allen, die hier vorbeigeschaut und die Gelegenheit ergriffen haben, ihren Ärger über den FC geteilt zu wissen oder ihre Freude zu verlängern. Vielen Dank fürs Lesen, man sieht sich.

Come on FC.

Abschied für immer

SP

Die Triple-Vorbereitungen laufen.

So, dann hätten wir das jetzt auch. Am Sonntag stand sportlich nur noch der FSV Frankfurt zwischen dem 1. FC Köln und der ersten Fußball-Bundesliga, wobei es Frankfurt nicht mehr zu besiegen, sondern nur noch zu besuchen galt. Ich selbst hatte durchaus Interesse geäußert an einer Reise nach Frankfurt, was ich damit begründet hatte, dass ich meinen Freund Pimkie bei der Überwindung seines Auswärtsfluchs behilflich sein wollte. Er hatte nach einer beispiellosen Niederlagenserie in den vergangenen Jahren zuletzt auf Auswärtsfahrten verzichtet, um den Aufstieg nicht zu gefährden. Das Spiel in Frankfurt hatte er zwar für den Fall, dass der FC dann schon aufgestiegen sein würde (womit wir vom ersten Spieltag an fest gerechnet hatten), als möglichen Anlass für einen Comebackversuch ins Auge gefasst. Doch irgendwie hatte der Pimkie sich dann überlegt, diesen letzten Zweitligasonntag der Familie zu widmen, was mich gar nicht so sehr gestört hatte, konnte ich so doch mein nach den vielen Wochen im Florida-Urlaub etwas dürres Sonntagsdienstkonto ein wenig aufbessern, ohne dabei in Gewissenskonflikte zu geraten.

SP

Guter Auswärtsblock: Der FC nimmt Abschied von der Zweiten Liga.

Verloren hat der FC dann ja auch ohne den Pimkie, obwohl ich jetzt nicht sagen könnte, ob das nun für oder gegen den Pimkie spricht. Mit Pimkies Auswärtsfluch ist das ohnehin so eine Sache. Denn er ist wie so viele andere auch ein klassischer Gelegenheits-Auswärtsfahrer. Und natürlich hat so einer wie der Pimkie Geschmack und auch gewisse Ansprüche, daher fährt er nicht zu irgendwelchen Auswärtsspielen, sondern nur zu wichtigen, die gern auch mal die schweren sind. In der Zweiten Liga zum Beispiel nach Kaiserslautern, wo es ja klassisch eher gegen uns läuft. Oder in der Ersten Liga nach Schalke oder Dortmund oder Mönchengladbach, wo wir ja auch nur selten verschont bleiben. Worauf ich hinauswill: Womöglich liegt es gar nicht am Pimkie, dass der FC nie gewinnt, wenn der Pimkie zu Auswärtsspielen fährt. Sondern an den Gegnern. Das wäre zu schön, denn ich plane in der neuen Saison durchaus Auswärtsfahrten mit meinem lieben Freund Pimkie und möchte mir vorher gern einreden, dass wir nicht schon verloren haben, wenn wir in Köln ins Auto steigen. Aber wir werden sehen.

SP

Äh, Trainer – hinter Ihnen!

Erst einmal musste also das Spiel gegen Frankfurt abgewickelt werden. Und zwar nicht gegen die Eintracht, sondern den FSV Frankfurt, von dem ich ganz früher einmal dachte, er käme von der Oder und sei an der polnischen Grenze beheimatet. In Wahrheit handelt es sich beim FSV Frankfurt selbstverständlich um jenen Verein, der im Jahr 1925 sogar einmal im Finale um die Deutsche Meisterschaft stand. Außerdem war der FSV Frankfurt der Heimatverein des 100-Meter-Olympiasiegers Armin Hary, der einst im Letzigrund von Zürich (wo ich wiederum einmal ein Freundschaftsspiel des 1. FC Köln gesehen habe) die 100 Meter in 10,0 Sekunden und damit in Weltrekordzeit lief – „auf Asche!“, wie mein Vater beim Lesen dieses Satzes in exakt diesem Moment ausrufen wird, „AUF ASCHE!“ Ja, Papa. Ich weiß. Zehnnull, auf Asche.

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Muss man in diesem Fall so aufschreiben: Fallen nicht aus dem Rahmen – Vize-Weltmeister und -Präsident Toni Schumacher, der ehrenwerte Kapitän Miso Brecko sowie unser Friedens-, Reform- und Aufstiegspräsident Werner Spinner.

Natürlich ist der FSV Frankfurt aber auch der Verein, dessen Frauenfußball-Abteilung dreimal Deutscher Meister wurde und dessen größte Tochter Birgit Prinz ist, unsere dreifache Weltmeisterin, die mir zwei Tage vor dem Finale der Frauenfußball-WM in Los Angeles einmal das schlechtgelaunteste Interview meiner Reporterkarriere gegeben hat. 2003 war das, und ich werde nie vergessen, wie Birgit Prinz mich ausschimpfte, weil ich mich doch sonst wahrscheinlich gar nicht für Frauenfußball interessierte und ich doch nur nach Kalifornien gekommen war, weil Deutschland im Finale stand, was übrigens vollständig der Wahrheit entsprach und deshalb von mir uneingeschränkt bejaht wurde, weshalb Birgit Prinz anschließend noch schlechter gelaunt war. Zwei Tage später war Deutschland jedenfalls Weltmeisterin, und ich war dabei, Birgit Prinz hin oder her.

SP

Die Zweite Liga wird uns vermissen.

Das nur zum Thema FSV Frankfurt. Ich ließ das FC-Spiel in Frankfurt im Dienst auf einem Monitor meines Zwei-Monitore-Arbeitsplatzes in der Redaktion laufen. Viel sehen konnte ich nicht, denn ständig waren Fenster mit anderen Programmen im Weg. Allerdings waren wir wohl klar besser, teilte mir zwischendurch ein Kollege mit und lachte dabei ein Lachen, das ich nicht verstand. Dafür hörte ich allerdings über den Knopf im rechten Ohr die ausschweifenden Gesänge aus dem Kölner Fanblock. Von einem Fanblock im eigentlichen Sinne konnte allerdings eher keine Rede sein, denn die Kölner besetzten mehr als zwei Drittel der Tribüne und sorgten für eine gewaltige Atmosphäre. Mich hat es auf Auswärtsfahren immer sehr glücklich gemacht, kölsches Liedgut zu hören. Unheimlich gern höre ich in der Fremde zum Beispiel das Lied vom Treuen Husaren. Einmal hat der FC im November 2003 in der zweiten Pokalrunde bei der TSG Hoffenheim gespielt, als die noch ein Regionalligist war, gerade das Durchdrehen anfing und in einer Art Stadion im Wald spielte, das hauptsächlich aus VIP-Bereich bestand. Knapp 5000 Zuschauer waren damals dabei, als der FC 5:1 gewann. Ich werde nie vergessen, wie ich vor dem Spiel aus dem Auto stieg, im Hinterkopf noch die Vorberichterstattung über den neureichen Regionalligisten, und der Treue Husar durch den Wald donnerte. Da wusste ich: Was auch immer sich die Hoffenheimer noch ausdenken würden mit dem ganzen Geld und den VIPs im Wald: Traditionelles Liedgut würden sie sich ebenso wenig anschaffen können wie Leute, die es auswärts schmettern. Ist jetzt auch schon wieder mehr als zehn Jahre her. Und irgendwie habe ich ein bisschen recht behalten, was die Hoffenheimer angeht. Allerdings spielen sie jetzt nicht mehr im Wald. Sondern an der Autobahn.

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“Und jetzt gehen wir shoppen!” Die Jörgs Schmadtke und Jakobs.

Wenn Fans anderer Vereine zum Auswärtsspiel fahren, freuen sie sich auf eine schöne Stadt, ein beeindruckendes Stadion, große Atmosphäre. Der Kölner dagegen kommt am Hamburger oder Berliner oder Münchner Hauptbahnhof an, skandiert „kniet nieder, ihr Bauern – Köln ist zu Gast!“, und singt den örtlichen Fußballfans später im Stadion zweieinhalb Stunden lang was vor. Bald wieder. Zwischen uns und der ersten Liga liegt nun nämlich kein einziges Spiel mehr. Kein FSV Frankfurt mehr, kein Aue; auch kein Sandhausen, Aalen oder Ingolstadt. Sondern nur noch ein kleiner WM-Sommer. Dann sind wir zurück. Erstklassig. Klar besser.

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Nächste Saison stehen wieder berühmtere Namen auf den Aufstellungszetteln. Versprochen.

Noch etwas in eigener Sache (wobei ja eigentlich dieser ganze Blog in eigener Sache stattfindet): Wer diese letzte Zweitligasaison in der Geschichte des mächtigen 1. FC Köln in diesem Sommer noch einmal in Ruhe nachvollziehen will, der muss sich keine Gedanken machen über Netzabdeckung in fremden Ländern, Sand im Laptop oder leergelaufene Akkus. Denn dieser Blog erscheint als Buch – und zwar noch im Mai. Hier geht es zum Buch, das weitere Fotos enthalten wird und – das ist jetzt der eigentliche Hammer – ein Vorwort von Toni Schumacher. Wäre auch ein gutes Geschenk zum Muttertag gewesen. Aber es werden genug weitere Anlässe kommen.

coverbuch

Meister ist Meister

In der Liebe soll man sich ja nicht fragen, ob sich die Dinge lohnen, und zum 1. FC Köln zu gehen lohnt sich ja auch eigentlich immer. Das fanden wir jedenfalls nach dem fulminanten Fußball-Sonntag gegen den FC St. Pauli, der uns nicht nur ein hübsches Spiel, sondern auch rührende Momente, großen Sport und jede Menge Konfetti beschert hatte. Dennoch war uns der Stadionbesuch glatt lästig vorgekommen, als wir nach Müngersdorf aufgebrochen waren. Denn der Pimkie und ich hatten den Samstag auf dem Junggesellenabschied unseres gemeinsamen Freundes David verbracht. Der Abend war zwar nicht vollends aus dem Ruder gelaufen. Aber ein kleines bisschen angeschlagen ist man am nächsten Tag ja doch immer. Da könnte man auch mal spontan auf der Couch liegen bleiben. Jedenfalls dann, wenn es nach längst vollzogenem Aufstieg schon wieder beziehungsweise immer noch um nichts zu gehen scheint. Zumindest sportlich.

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Ein erstklassiger Konfettiregen.

Wir motivierten uns, indem wir gespannt waren auf das neue Trikot, das mir gut gefällt, mich aber leider auch sehr an das Abstiegs-Jubiläumstrikot von 1998 erinnert. Wahrscheinlich werde ich mir dennoch eins zulegen. Nummer 16, Helmes, denke ich. Weil mir Hector zu einfach wäre. Ich muss das Trikot eines Spielers tragen, über den ich mich gleichermaßen freuen wie aufregen kann. Über Hector kann ich mich nicht aufregen (obwohl ich dabei bleibe, dass ein richtig großer Außenverteidiger drei bis fünf Flanken pro Halbzeit bringen müsste, was er noch nicht tut). Der Unglaubliche Helmes dagegen ist einer, über den man schimpfen und jubeln kann. Es wird daher wohl auf Helmes hinauslaufen. Es sei denn, wir verpflichten Claudio Pizarro. Dann kaufe ich mir zwei Trikots. Oder zehn.

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Ein Titelgewinn ist ein Titelgewinn, da muss man sich nicht zu Tode differenzieren.

Wir trafen Pimkies Bruder in der Schlange am Bierstand und sorgten für Erheiterung, als wir bei ihm zwei Colas in Auftrag gaben. „War schön gestern Abend?“, fragte er wissend. So schlimm war es zwar wirklich nicht. Aber man muss ja nicht jeden Tag Bier trinken. Auf diese Weise war es für mich allerdings schwierig, meine Justpay-Karte zu leeren, denn fünf Colas trinke ich während eines FC-Spiels eher nicht. Pimkie hatte sich des Justpay-Problems ja beim Aufstiegsspiel entledigt, indem er seine Baykal-Karte spontan verloren hatte. Offenbar war die Trennung vom Bezahlsystem-Partner die unmittelbare Reaktion des FC auf des Pimkies Verlust, was ich angemessen finde.

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Auch schön: Eine Choreographie über alle Tribünen.

Dann gab es eine Choreographie, eine Frau spielte die Hymne auf ihrem Dudelsack und erbrachte den Beweis, dass so ein Dudelsack nicht unbedingt ein Instrument ist, auf das man mitsingen kann. Doch trotz des etwas missglückten Auftakts waren wir emotional schnell in der Spur. Denn die Verabschiedung von Kevin McKenna, vorgenommen durch unseren Friedens-, Reform- und jetzt ja auch Aufstiegspräsidenten Werner Spinner, geriet sehr stilsicher und auch rührend, wobei es mich sowieso immer besonders rührt, wenn jemand auf dem Rasen seine Kinder dabei hat. McKenna hat in sieben Jahren beim FC einen Abstieg und zwei Aufstiege mitgemacht und stets eine vorbildliche Einstellung gezeigt. Dass er jetzt Bäume in Serie ausgerissen hätte, habe ich nicht mehr präsent. Nimmt man jedoch seine Verabschiedung zum Maßstab, sah es so aus, als habe er die erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte geprägt. Dennoch applaudierte auch ich frenetisch. Es waren fantastische Momente, und ich freute mich sehr für McKenna.

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Toni Schumacher ignoriert das Rauchverbot, und Werner Spinner lässt ihn gewähren. Ein weiterer Beweis dafür, dass sich unser Vorstand gut aufeinander eingestellt hat.

Dann ging das Spiel los, und wir waren klar besser, was mich nicht überraschte. Im Tor stand Thomas Kessler für Horn, und ich freute mich auch für Kessler. Für unseren gesperrten Kapitän Miso Brecko rechtsverteidigte Marcel Risse, für den ich mich auch freute, weil ich mir gut vorstellen kann, dass so ein Spiel gegen St. Pauli vor ausverkauftem Haus mit anschließender Meisterehrung ein großer Spaß ist. Ich freute mich auch sehr für Anthony Ujah, dessen Familie aus Nigeria angereist war und dem ein Tor gelang. Und ich freute mich über das Tor des Unglaublichen Helmes nach einer weiteren Wundertat von Daniel Halfar, auf den ich in der Ersten Liga ziemlich gespannt bin. Und wiederum freute ich mich, als Sascha Bigalke in seinem ersten Saison-Einsatz nach überstandenem Kreuzbandriss ein absolutes Spitzentor gelang und Thomas Kessler aus seinem Tor herbeigerannt kam, um den frisch wiederhergestellten Kollegen im Kreis seiner Mitspieler zu feiern. Das sah nach einer intakten Mannschaft aus – und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in der nächsten Saison eine Mannschaft mit Nehmerqualitäten brauchen werden.

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Sogar Peter Stöger macht Erinnerungsfotos.

Viel Freude also, und als über die Stadionlautsprecher bekanntgegeben wurde, dass es nun Getränke zum halben Preis gebe, donnerte der nächste ganz große Jubel durchs Stadion. Dann gab es die Radkappe und einen Konfettiregen, wie ich ihn bei den WM-, EM- und Champions-League-Finals, die ich als Reporter erleben durfte, auch noch nicht besser gesehen habe. Es war richtig schön, und ich habe auch eigentlich keine Lust, mir die Zweitliga-Meisterschaft kleinreden zu lassen. Denn der Zweitliga-Meister ist eben nicht einfach nur die 19.-beste Mannschaft im Deutschen Profifußball. Ich wüsste zum Beispiel gern mal, ob der VfB Stuttgart in dieser Saison unbedingt Zweitliga-Meister geworden wäre. Oder Hoffenheim oder Hamburg oder Bremen oder sonstjemand. Diese Liga fordert Qualitäten, die eine Mannschaft erst mal über 34 Spiele bringen muss. Daher bin ich heilfroh, dass der FC da jetzt raus ist. Denn es sieht nicht danach aus, als würde es künftig leichter im Unterhaus. Von daher ist dieser etwas sperrige Titel des Zweitliga-Meisters in Radkappen und Konfetti eigentlich gar nicht auszudrücken.

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Ist sich nicht zu fein für die Zweitliga-Meisterschale: Hans Schäfer, unter anderem Weltmeister und Deutscher Meister, sieht sich die Radkappe aus der Nähe an.

Matthias Lehmann, dem ich sehr dankbar bin für seinen Dienst am großen 1. FC Köln in dieser Saison, fasste das Gefühl in einem ebenso schlichten wie grenzenlos wahren Satz zusammen: „Man gewinnt ja nicht so oft was.“ Da steckte alles drin. Die Bescheidenheit, mal zu sagen: „Leute, jetzt feiert besser mal – denn glaubt bloß nicht, dass wir nächstes Jahr wieder was in der Hand haben werden.“ Aber eben auch der Stolz auf das Geleistete: Wir sind Meister der Zweiten Liga. Und Meister ist Meister.

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Guter Junge. Eigentlich sollte man sich auch Ujahs Trikot kaufen.

Was dann geboten wurde, war eine weitere Dokumentation der schieren Größe des 1. FC Köln. Die Welle kreiselte, Kapellen spielten auf. Als ich später daheim den Fernseher einschaltete und mir noch einmal die gewaltigen Bilder aus Müngersdorf gab, musste ich glatt lachen. Mit Zweiter Liga hatte das nicht viel zu tun. In den Kommentaren zu dem Platzsturm-Foto, das Lukas Podolski nach dem Sieg über Bochum auf Instagram hochgeladen hatte, fragten neulich zahlreiche internationale Fans unseres Ex-Stürmers, wo um Himmels Willen er da sei. Podolski hatte nur „der FC“ geschrieben, ohne weitere Angabe des Ortes. Das sagte offenbar nicht jedem seiner Fans auf der Welt etwas.

Wird Zeit, das mal geradezurücken.

SP

So ist das nach Partys: Irgendwer muss aufräumen.

 

Zehn Freunde sollt ihr sein

Bei aller Treue (und ja auch Liebe) zum großen 1. FC Köln bleibt nach dem Spiel in Ingolstadt festzuhalten: Die ganz große Begeisterung für diese Zweitliga-Saison 2013/2014 ist seit dem vollendeten Aufstieg ein wenig raus. Das bemerkte ich während der Partie zum Beispiel am geringen Nachrichtenaufkommen unseres Whatsapp-Chats „Fußball und Weltpolitik“, das mitunter gar darauf schließen ließ, dass mancher Teilnehmer nicht nur nicht nach Ingolstadt gefahren war, sondern das Spiel nicht einmal im Fernsehen ansah. Mein Freund Pimkie zum Beispiel schickte irgendwann ein Foto aus der Kölnarena: „Haie 2:0, Arena tobt“, teilte er fröhlich mit, der alte Erfolgsfan. Tatsächlich muss man dem Pimkie jedoch zugute halten, dass er halbwegs regelmäßig zu den Haien geht. Dennoch war die Absicht des feinen Herrn natürlich eindeutig: Nach den Aufstiegsfreuden zu Ostern schnell noch ein bisschen emotionalen Mehrwert auf der anderen Rheinseite abstauben. Klassische Mitnahmementalität. Wobei er ja am Ende des Abends dann doch nichts zu jubeln hatte. Dafür ja dann am Sonntag vor dem Fernseher.

1.FC Köln - VfL Bochum 2:1 - copy: Rainer Dahmen

Die Bereitschaft ist da, das Liedgut auch: “Deutscher Meister Effzeh”

Ich selbst hatte die erste Halbzeit aus dem einen oder anderen Augenwinkel in der Redaktion geschaut, um mich in der Pause in die Linie 13 zu setzen und schloss gerade die Haustür auf, als Horn den Elfer hielt. Ich hatte also verpasst, wie unser ehrenwerter Kapitän Miso Brecko Opfer einer Schicksalslaune geworden und vom Platz gestellt worden war. Ein weiterer Grund, sich die Zusammenfassung des Spiels kein weiteres Mal anzusehen. Ich halte Brecko für unschuldig und bin ein wenig traurig, dass ich ihn am Sonntag gegen St. Pauli erst sehen werde, wenn er die Insignien des Zweitligameisters präsentiert und uns per typisch-reckender Armbewegung schon mal vermittelt, womit in den nächsten Jahren so zu rechnen sein wird.

Dennoch erfreute ich mich an der vorbildlichen Leistung des FC. Hochseriös begegnete der Zweitligameister einer Werkself, wie man einer Werkself eben zu begegnen hat: Mit Tausenden Auswärtsfahrern. Die Stimmung klang fantastisch. Manchmal frage ich mich, wann die Betreiber der deutschen Werksvereine auf die Idee kommen werden, Teile ihres gigantischen finanziellen Aufwands in Auswärtsfahrten ihrer Fans zu investieren statt nur in gelangweilte Profis, die gar nicht recht zu wissen scheinen, wo sie da eigentlich spielen. Wobei es ja auch andere Wege gibt, den eigenen Auswärtsblock zu füllen. Im Leverkusener Block bei Auswärtsspielen in der Champions League finden sich zum Beispiel immer wieder Fans zahlreicher Vereine des Rheinlandes, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, für kleines Geld mal nach Old Trafford oder in den Prinzenpark zu kommen. Richtig absurd muss es gewesen sein, als Leverkusen anlässlich des Champions-League-Finals 2002 sein Kartenkontingent nicht loswurde und Busse an der Sporthochschule in Köln vorfahren ließ, um Studenten kostenlos nach Glasgow zu bringen, wo die Werkself, die damals noch nicht einsehen wollte, eine zu sein und daher nur ungern so genannt wurde, Real Madrid unterlag und das Vize-Triple komplettierte. Bis heute der größte Erfolg in der Geschichte der Leverkusener, die nun allerdings neue Wege beschreiten wollen, indem sie sich einen Meistertrainer aus Österreich geholt haben. Die Kölner Erfahrung sagt: Könnte klappen, mit dem gewohnten finanziellen Aufwand der Leverkusener sogar noch besser als in Köln. Nur der Auswärtsblock, der wird wohl trotzdem nicht richtig voll.

1.FC Köln - VfL Bochum 2:1 - copy: Rainer Dahmen

Der Aufstiegs-Hennes VIII.

Die Ingolstädter Werkself hat in dieser Saison zwar aus ihren Millionen nur sehr wenig Zählbares zusammengebracht, dafür aber dem 1. FC Köln beinahe sechs Punkte abgetrotzt. Dass es nur vier wurden, ist zwar grundsätzlich unschön (mit vier Punkten weniger wäre Ingolstadt derzeit in akuter Abstiegsnot), aber doch eine Leistung: Anthony Ujah traf erneut und bewies, dass er in der Ersten Liga als Zielstürmer eine klar bessere Rolle spielen könnte als in der Zweiten, in der es oft darum ging, stehende Abwehrreihen im Kurzpassspiel auszuhebeln. Und im Kombinationsspiel ist Ujah zwar stark. Aber nicht so überragend wie andere Spieler des Kaders. Was für ein Kaliber Timo Horn ist, weiß mittlerweile die gesamte deutsche Fußballprovinz und wird künftig in die Tempel des Spiels getragen. Viel mehr blieb eigentlich nicht übrig von diesem Spiel, abgesehen davon, dass die Kölner Mannschaft genug Moral in sich hat, um sogar in Unterzahl nach vollendetem Titelgewinn noch klar besser zu sein. Nach dem Abpfiff durfte man daher getrost zu den Haien umschalten. Oder aber wie mein Freund Peter das Spiel des FC gegen Bochum vom Ostermontag noch einmal in der Wiederholung anschauen. Auch eine ehrenwerte Art, seinen Freitagabend zu verbringen.

SP

Momentaufnahme: Ingolstadt trifft, Köln trauert. Glücklicherweise nur ein Randaspekt des Wochenendes.

Für den Pimkie blieb der späte Ingolstädter Treffer gegen die Haie in der Arena nicht das einzige Fiasko des Wochenendes. Der Pimkie findet nämlich trotz umfangreicher familiärer, beruflicher und fußballerischer Verpflichtungen immer noch die Zeit, das Team der Feinen Kerle Köln in der Bunten Liga zu coachen. Das gestaltet sich in dieser Saison ein wenig schwierig, bis zum Samstag standen die Feine Kerle Juniors, wie das Team seit der Ausgliederung des Spielbetriebs aus dem vor 25 jahren gegründeten Gesamtverein heißt, mit nur vier Punkten aus sechs Spielen auf dem Relegationsplatz der Ersten Bunten Liga, was eigentlich nicht wahr sein kann. Es ging also um vieles am Samstagnachmittag auf der Jahnwiese, und entsprechend konzentriert begannen die Juniors. Als es nach druckvollem Beginn und einer vergeigten Hundertprozentigen jedoch den ersten Eckball für den Gegner gab, wunderten sich ein paar Spieler doch erheblich. Denn irgendwie passte die Zuordnung  nicht. Irgendwann fand sich einer, der bis zehn zählen konnte – und siehe da: Der Pimkie hatte den guten Plan, die Juniors mit nur einer Spitze auflaufen zu lassen, zwar umgesetzt – dann jedoch vergessen, einen Mann mehr ins Mittelfeld zu stellen. Womöglich in Erinnerung an die Hinausstellung unseres Kapitäns und die folgende Glanzleistung des großen 1. FC Köln: Zehn Freunde sollt ihr sein.

1.FC Köln - VfL Bochum 2:1 - copy: Rainer Dahmen

Darf für die neue Saison angesichts veränderter taktischer Vorzeichen durchaus als erster Neuzugang gelten: Der großartige Anthony Ujah.

Dieses kleine Versäumnis korrigierte der Pimkie beinahe geräuschlos, wobei ich mich im Nachhinein frage, was eigentlich die Regeln dazu sagen, wenn eine Mannschaft mit nur zehn Leuten beginnt. Wahrscheinlich nichts. Denn man muss dem Pimkie zugute halten, dass er immerhin nicht mit zwölf Spielern begann, was wiederum Konsequenzen bedeutet hätte. Zu elft steigerten die Kerle ihre Überlegenheit noch und gewannen am Ende mit 9:0 Toren und damit exakt jenem Resultat, das sie gebraucht hatten, um ihr bis dahin lausiges Torverhältnis auszugleichen. Vielleicht werden wir beim  Ligavorstand einen Antrag stellen, die Minuten in Unterzahl anrechnen zu dürfen, falls mal einer vom Platz fliegt. Wobei wir eigentlich kaum noch Kartenkönige in der Mannschaft haben. Vorbei etwa die Zeiten, in denen der Schiedsrichter meinem Freund OK mit den Worten verwarnte: „Herr OK – Ihre Karte.“

Und bitte immer einen Blick wert: Mein neues Buch

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Ein vorbildlicher Platzsturm

Ich weiß gar nicht, ob uns dafür ein Stadionverbot droht, was schlimm wäre, wo wir doch jetzt zurück in der Ersten Liga sind. Aber ich muss gestehen: Ja, wir sind am Montagabend noch kurz auf den Rasen gegangen. Sozusagen auf dem Heimweg. Wir hatten uns das ganze Spektakel von unseren Plätzen im Oberrang aus angesehen und uns sogar zunächst ein wenig empört, als die Leute mit dem Schlusspfiff über die Zäune kletterten. Aber irgendwie war dann ja gar nichts passiert außer purer Freude. Und weil in unserem Whatsapp-Chat „Fußball und Weltpolitik“ immer entschiedener „Selfies vom Rasen und Emotionen“ gefordert wurden, entschlossen sich mein Freund Pimkie, seine Brüder sowie mein Freund Arne und ich zu einem kurzen Spaziergang durch den Innenraum, wo wir unseren Freund Peter samt Patenkind trafen. Wir setzten unsere Füße sehr vorsichtig auf den Rasen, eine Mischung aus Kaiser Franz in Rom 1990 und Neil Armstrong auf dem Mond 1969. Selbstverständlich mussten wir über keine Zäune mehr klettern und auch keine Ordner umrennen. Die Tore waren längst geöffnet, und der Ordnungsdienst hatte sich dazu entschieden, freundliche Gesichter aufzusetzen und den Leuten nur mit auf den Weg zu geben, sich bitte zu benehmen.

1.FC Köln - VfL Bochum 2:1 - copy: Rainer Dahmen

Situation unter Kontrolle: Ein paar Fans haben sich auf dem Heimweg im innenraum verlaufen, benehmen sich aber vorzüglich.

Der Innenraum glich einer Picknickfläche im Park. Väter fotografierten ihre Kinder, Freunde einander und der Pimkie seine Brüder. Und irgendwie hatte ich den Eindruck: Für so einen Platzsturm müsste der DFB dem FC eigentlich einen Preis verleihen. Ein Platzsturm als Familienfest – wenn sich Stadionbesucher immer so benehmen würden, könnte man eigentlich künftig nach jedem FC-Sieg die Tore öffnen.

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Nur mit einem Handtuch bekleidet auf dem Fahrrad durch die Interviewzone: Habe ich so auch noch nicht gesehen.

Wir hatten uns vor dem Spiel gefragt, wie es wohl sein würde. Natürlich würden wir früher oder später in dieser Saison aufsteigen, das wussten wir ja eigentlich schon nach dem ersten Spieltag. Und natürlich wäre ein Aufstieg am Montagabend im eigenen Stadion schöner als in Ingolstadt oder auf der Couch. Aber die richtige Dramatik steckte da eigentlich schon nicht mehr drin. Dennoch lag etwas Feierliches über Müngersdorf, als ich mich mit meinen Jungs zum Stadion aufmachte. Wir waren vor lauter Aufregung viel zu früh losgegangen und schon eine Stunde vor dem Anpfiff auf unseren Plätzen, was es lange nicht gegeben hatte. Leider mussten wir auf Den Vater Von Pimkies Brüdern verzichten, der im Krankenhaus liegt und bitte sehr schnell wieder ganz gesund wird.

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Mission erfüllt. Wo bekommt man eigentlich diese Shirts? Ich würde ein paar nehmen.

Auf dem Weg zum Stadion hatte der eine von Pimkies Brüdern ein weiteres interessantes Erlebnis mit den Flaschensammlern von der Vorwiese. Am Beginn der Glasverbotszone stehen immer zahlreiche Flaschensammler bereit, um unsere (also: nicht nur unsere) Wegbierflaschen entgegenzunehmen. Einmal hat der eine von Pimkies Brüdern seine Flasche allerdings jemandem in die Hand drücken wollen, der gar kein Flaschensammler war. Sondern ein etwas aggressiver Typ, der offenbar nicht bereit war, den ja durchaus lustigen Aspekt des Augenblicks zu sehen. Und Pimkies Bruder anschrie: „Ey – hast du ‘nen Kabelbrand?“ Am Montagabend hatte ein recht professioneller Flaschensammler zwei Plastikwannen an der gleichen Stelle aufgestellt, an der damals die Sache mit dem Kabelbrand beinahe übel ausgegangen wäre. Eine Wanne für große, eine für kleine Flaschen. Und der eine von Pimkies Brüdern legte seine kleine Flasche natürlich zu den großen, worauf ihn der Besitzer der Wannen gleich auf den Fehler hinwies. Und sagte: „Ey, nimm die wieder raus, die ist für die kleinen Flaschen!“ Pimkies Bruder war dermaßen verdutzt, dass er glatt vergaß, den Mann nach einem Kabelbrand zu fragen. Allerdings legte er anschließend großen Wert auf die Feststellung, dass er nicht für eine Tausendstelsekunde daran gedacht hatte, die Flasche umzubetten. Obwohl ich gemeint hatte, ein Zucken erkannt zu haben.

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Es wurde dann später noch ausgiebig zu Ende gefeiert.

Der Klaus hatte sich eigens eine Aufstiegs-Jacke gestaltet; auch sein Kumpel, der sich laut Jacken-Aufdruck nun auch offiziell „Der Kumpel von Der Klaus“ nennt, was grammatikalisch bedenklich aussieht, war ebenfalls festlich angezogen und hatte sogar seine Mutter mitgebracht, die „zum ersten Mal seit 74 Jahren wieder im Stadion ist!“ – und für Momente dachte ich, dass wir alle womöglich ein bisschen zu bereit waren für den Aufstieg. Denn Peter Neururer hatte nach wie vor als Gefahr zu gelten. Doch des Klausens Optimismus beruhigte mich irgendwie. Und als mein alter Freund Haarwald, der die Dauerkarte unseres gemeinsamen Freundes OK nutzte (der auf Mallorca urlaubte) nur zwei Monate nach seinem Herzinfarkt topfit in Block O15 auftauchte, war klar: Da musste was gehen.

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Der Klaus und Der Kumpel Von Der Klaus – ein beliebtes Fotomotiv am Montagabend.

Als wir zur Halbzeit hinten lagen, dachte ich kurz daran, wie wir nach dem Schlusspfiff wohl einfach nach Hause gehen würden und sich die Frage nach Platzsturm oder nicht und vor allem nach der Art des Platzsturms (wir alle wissen, wie das zum Beispiel damals bei Fortuna Düsseldorf gelaufen ist) dann ohnehin erledigt hätte. Dann aber glich Risse aus, wir waren klar besser, und weil alles so entspannt seinen Weg zu nehmen schien, entschied ich mich für einen Besuch der Toilette. Natürlich bebte exakt in jenem Moment, in dem sich die Tür hinter mir geschlossen hatte, das Stadion. „Klingt nach Elfer oder Freistoß in Tornähe“, sagte ich zu meinem Nebenmann, und: „Aber egal, was es ist: Der Helmes macht den.“ Entsprechend verblüfft war ich, als ich bei meiner eiligen Rückkehr in den Block Patrick Helmes tatsächlich am Elfmeterpunkt stehen sah. Ein kurzer Doppelpass mit VfL-Keeper Luthe, ein sauberer Abschluss mit dem linken Fuß – das war der Aufstieg. Der Rest waren schöne Wechsel: Der eine von Pimkies Brüdern hatte schon früh vorgeschlagen, Ujah für den Unglaublichen Helmes zu bringen. Ich überlegte, Ujah für jemand anderen zu bringen, damit er und Helmes einander noch ein paar Tore auflegen könnten, um die Zwei-Spitzen-Diskussion weiter zu bereichern. Aber das war natürlich komplett um die Ecke gedacht, unser ehrenwerter Trainer Peter Stöger folgte da lieber dem Vorschlag von Pimkies Bruder. Immerhin machte Ujah noch sein Tor, es war fantastisch. Dann kam noch Yannick Gerhardt, die Personifizierung der guten Zeiten, die vor uns liegen, für Kazuki Nagasawa, der womöglich noch gar nicht so richtig weiß, in was er da geraten ist bei seinem neuen Verein. Der Rest war Freude und der friedlichste Platzsturm der Fußballgeschichte.

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Hat auch was von Kaiser Franz 1990: Timo Horn, Aufsteiger 2014.

Herbstmeister, Winterkönig, Aufsteiger und Zweitligameister. Das Triple des FC Bayern aus der Vorsaison wirkt dagegen fast ein wenig dürr. Wir sind wieder da. Hoffentlich bleiben wir es auch.

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Ein guter Abend. Gerhardt, Brecko.

Und weil das jetzt so gut passt: Mein FC-Legendenbuch ist auf dem Markt und zum Beispiel hier zu bestellen.